Suchkriterien alleine helfen nur bedingt bei der Orientierung in einer Kontaktbörse.
Die Liebe zu finden war nicht einfach. Doch schon kommen die Zweifel - streiten wir uns nicht zu oft?
Geld liegt als Grund für Beziehungskrisen ganz weit vorn. Häufiger wird nur noch aus Eifersucht gestritten. Der Streitwert Geld misst sich aber nicht nur in Scheinen und Münzen, sondern steht oft synonym für andere Werte wie Leistung, Sicherheit und den sozialen Status. Und ab und zu werden an ihm auch Liebe und Glück gemessen.
Im Überschwang der Gefühle wird das Thema Geld in einer neuen Beziehung nicht gleich zu Anfang thematisiert. Doch spätestens in der ersten Krise wird die Frage nach dem Finanziellen schnell eine Frage der Macht. PARSHIP-Coach Judith Veit weiß, dass viele Angst davor haben, der neue Partner könne die Frage nach dem Geld als fehlendes Vertrauen in eine gemeinsame Zukunft deuten.
Bei Anja und Johannes wurde das unangenehme Thema schneller Diskussionspunkt, als die beiden gedacht hatten. Nachdem sie sich über PARSHIP.at verliebt hatten, wurde schnell der Ruf nach einer gemeinsamen Kasse laut. Die beiden führen eine Fernbeziehung und die entstehenden Reisekosten wollen bezahlt sein. Sie besuchen sich nicht - wie sonst häufig der Fall - abwechselnd am jeweiligen Wohnort. Anja reist wegen ihres Berufes ausschließlich zu Johannes. Für ihn war es selbstverständlich, sich an den Fahrtkosten zu beteiligen, und so richteten sie sich ein gemeinsames Konto ein. Nach drei Jahren Praxis hat sich diese Lösung mehr als einmal bewährt, wie Johannes erzählt: "Das nahm viel Sprengstoff aus unserer Beziehung. Für uns ist dieses 'Liebes-Konto' perfekt.“
Reisekosten können jedoch nicht nur bei einer Fernbeziehung aufkommen, auch beim Urlaub stellen unterschiedliche finanzielle Voraussetzungen häufig Hürden dar. Hauptsächlich dann, wenn der Mehr-Verdiener großzügig sein will und dem anderen alles finanziert. "Trotz guter Absichten kann sich der Partner dadurch schnell gekränkt fühlen und das nagt an seinem Selbstbewusstsein", betont Diplom-Psychologin Judith Veit. Keiner gibt es gerne zu, aber Männer haben häufiger ein Problem mit besser verdienenden Frauen. In einer PARSHIP-Umfrage gaben nur vier Prozent der Männer an, dass es für sie problematisch sei, wenn die Frau mehr verdient. In der Realität sieht das allerdings ganz anders aus.
Ganz gleich, wer in der Beziehung mehr verdient, wichtig ist in jedem Fall, die eigenen Vorstellungen und Pläne mit dem Partner zu besprechen und sich mit ihm abzustimmen. Wer mehr verdient, darf natürlich großzügig sein und zum Beispiel die Flüge oder die Bahnfahrt in den Urlaub für beide übernehmen. Eines sollte man jedoch niemals tun: dem anderen hinterher die Großzügigkeit vorhalten. "Das ist wie mit einem Geburtstagsgeschenk. Wer den Beschenkten auf den Wert der Gabe hinweist, diskreditiert sich selbst", sagt Beziehungsexpertin Veit.
Wie so oft im Leben ist nicht entscheidend, wie viel tatsächlich auf dem Konto liegt, sondern die persönliche Einstellung. Wer immer das Gefühl hat, zu wenig zu haben, wird diesen Zustand unbewusst immer wieder herbeiführen. Die eigene Haltung zum Finanziellen liegt aber auch in der Vergangenheit begründet, zum Beispiel wie die eigene Familie damit umgegangen ist. Ob Sie einen Partner als geizig oder verschwenderisch erleben, resultiert aus dem erlernten Verhalten. "Es ist wenig sinnvoll, dem geliebten Menschen seine Haltung zum Finanziellen oder seinen Umgang damit vorzuhalten. Geld ist mit so tiefen Gefühlen verbunden, die kann man nicht durch Diskussionen verändern", bringt es PARSHIP-Single-Coach Judith Veit auf den Punkt. Auch wenn es in der rosigen Anfangszeit einer Beziehung gerne übergangen wird, man sollte auf jeden Fall die Haltung des anderen zum Geld kennenlernen, spätestens dann wenn man mit ihm/ihr zusammenziehen möchte.
Ist das finanzielle Ungleichgewicht groß oder wird zumindest so empfunden, führt das schnell zu Problemen. Der eine hat das Gefühl, "drauf zu zahlen", wohingegen der andere Schuldgefühle hat, weil er nicht so viel zum gemeinsamen Leben beisteuern kann. Doch man sollte das Geld erst gar nicht zum Problem werden lassen, sondern darüber sprechen, rät Judith Veit: "Statt sich immer wieder an denselben Punkten zu reiben, legen Sie vor sich selbst die Karten auf den Tisch." Stellen Sie sich die Frage, wofür Sie das Geld brauchen und welche Dinge Ihnen besonders wichtig sind.
Wenn Sie persönlich gerne alles eins zu eins verrechnen, versuchen Sie einmal anders an die Rechnung heranzugehen. Früher haben sie gerne viel in teuren Restaurants bezahlt, aber Ihr neuer Partner kann mit Sterneköchen konkurrieren? Dann spricht doch nichts dagegen, das Geld, das Sie nun nicht mehr im Restaurant lassen, für eine schöne andere Unternehmung zu zweit auszugeben. Wichtig ist vor allem: sich selbst darüber im Klaren zu sein, was man will und welche Rolle das Finanzielle spielt. Das sorgt für Harmonie im finanziellen Sektor der Partnerschaft.