Suchkriterien alleine helfen nur bedingt bei der Orientierung in einer Kontaktbörse.
Die Liebe zu finden war nicht einfach. Doch schon kommen die Zweifel - streiten wir uns nicht zu oft?
Stellen Sie sich vor, Sie liegen gerade an einem Strand in der Karibik, fernab von Sorgen, vom Beruf und vom Alltag. Die Sonne strahlt auf Ihren Körper, eine leichte Brise weht durch Ihr Haar. Sie genießen in vollen Zügen Ihren Martini und lassen sich vom Rauschen der Wellen bezaubern. Es ist einer dieser traumhaften Tage, an dem Sie denken, dass die Welt aufgehört hat, sich zu drehen - auch weil Er neben Ihnen liegt und Ihnen einen verliebten Blick zuwirft. Soweit die Idealvorstellung. In der nüchternen Realität kommt meistens etwas dazwischen, was die Harmonie wie einen Spiegel zerbrechen lässt. Beispielsweise klingelt das Handy vom Objekt Ihrer Begierde. Seine Nervosität bezeugt, dass ihn die Situation aus dem Konzept bringt, aber trotz seiner Angespanntheit legt er nicht auf, und am Ende hören Sie sogar “Ja, mache ich Scha... Renate, meine ich“. Eine Erfahrung, die auch Sabine (37) aus Stuttgart machen musste: „Selbst 5000 Kilometer entfernt, ist man noch nicht richtig frei vom Ex.“
Sabine hat nicht mehr daran geglaubt, dass sie jemanden wie Andreas (39) kennenlernen würde. Die ersten zwei Monate verliefen wie in einem Traum. Und wenn nicht diese ständigen Anrufe von seiner Ex gewesen wären, hätten die beiden Singles ihre gemeinsame Zeit tatsächlich genießen können. Leider war es im Falle von Andreas schwer, sich von seiner Ex-Verlobten zu trennen, weil sie nicht nur einen Haushalt, sondern auch ihre Leidenschaft teilten - nämlich ihre Arbeit. Beide in der Medienbranche tätig, in der gleichen Redaktion, im gleichen Büro. Am Anfang erschien Sabine ihre weitere Freundschaft nach der Trennung harmlos, die beiden haben zusammen gearbeitet und Sabine wollte sich nicht wie "die eifersüchtige Neue" präsentieren. Als er schließlich auf Drängen seiner Ex mit zum Betriebsausflug fuhr, war Sabine jedoch klar, dass Andreas einer dieser "Wackelkandidaten" war, die mit ihrer früheren Beziehung innerlich noch nicht abgeschlossen hatten, und zog die Notbremse. "So etwas lässt sich einfach nicht vorhersehen", sagt sie, "und wirklich böse auf ihn sein kann ich eigentlich auch nicht."
In der Tat ist es ziemlich schwer, darauf zu schließen, ob jemand sich ganz ohne Ballast in eine neue Beziehung stürzen will, oder ob jemand tatsächlich noch nicht frei vom Ex ist. Fakt ist, dass ab einem gewissen Alter fast jeder schon einmal die eine oder andere große Liebe hinter sich hatte, und es versteht sich auch von selbst, sich nicht nur auf Personen zu beschränken, die "ledig" in ihrem Profil stehen haben. Doch wie lässt sich nun zwischen Zufällen, beziehungsweise Marginalien, und echten Alarmsignalen unterscheiden? Das ist pauschal nicht leicht zu beantworten, jedoch lässt sich an einigen Indikatoren ablesen, wie ungezwungen und frei sich jemand tatsächlich in der neuen Partnerschaft verhält, respektive ob er die frühere Beziehung schon hinter sich gelassen hat. Erinnerungsstücke, wie zum Beispiel Bilder vom Verflossenen, können ein deutliches Zeichen sein - besonders wenn sie an Orten wie dem Nachttisch oder der Wand im Wohnzimmer angebracht sind. Auch die einseitige Schuldzuweisung nach dem Scheitern der letzten Beziehung weist recht direkt darauf hin, dass vieles noch nicht bewältigt und man nicht frei vom Ex ist - ganz zu schweigen von der Weigerung, überhaupt von der alten Beziehung sprechen zu wollen. Dagegen ist ein loser Kontakt nichts Besorgniserregendes - gerade wenn Sie selbst die Möglichkeit bekommen, den Ex kennenzulernen. Auch gemeinsame Kinder müssen noch lange nicht bedeuten, dass die Beziehung schlecht verarbeitet wurde. Es ist sogar vielmehr so, dass eine Trennung trotz gemeinsamer Kinder einen endgültigeren Charakter hat. Es ist hilfreich, zu versuchen, die Motivation seines Partners für die neue Beziehung in Erfahrung zu bringen: Stellt sich heraus, dass eine enttäuschte Liebe oder ein Treuebruch der Auslöser waren, dann ist das schon relativ eindeutig.
Andererseits muss dies auch nicht bedeuten, dass jeder, der sich augenscheinlich frei in eine neue Bindung stürzt, auch wirklich die Vergangenheit hinter sich gelassen hat und frei vom Ex ist. Dies fand bereits vor knapp 25 Jahren die Soziologin Margot Berghaus heraus, als sie die Inserenten von Kontaktanzeigen befragte. Demnach waren etliche Befragte noch durch Ehe, Anhänglichkeit über den Tod hinaus oder unerwiderte Zuneigung gebunden, als sie bereits das Inserat schalteten. Laut Berghaus gilt die Partnersuche oft als “Heilmittel gegen die alten, verschlissenen, aber oft nicht so einfach abzuschüttelnden Bande“. Das funktioniert zwar häufig, ist aber mindestens genauso oft die Ursache von verletzten Gefühlen. Jedoch sollte das für Sie kein Grund zum Resignieren, sondern lediglich eine zu bedenkende Tatsache sein. Nur Mut! Eine Liebesbeziehung findet nun mal nicht auf einer zeitlos schönen und abgeschiedenen Insel statt, sondern im wirklichen Leben. Damit sollen keine Träume zerstört werden, sondern es gilt, sich einige wesentliche Dinge vor Augen zu halten. Geben Sie dem anderen die Chance, sich auf Sie einzulassen, Ihr wahres Gesicht zu sehen, denn für einige Dinge gibt es eben keine Formel. So wie die Alchemisten auf der Suche nach Gold waren, sind auch wir auf der Suche nach dem gemeinsamen Glück. Man kann es weder erzwingen, noch hat man den alleinigen Anspruch darauf. Das Gute an der Liebe ist aber, dass man nicht der Erste beziehungsweise der Ex gewesen sein muss, sondern der Beste, um in der Beziehung als Gewinner dazustehen.