"Nein, meinen Mehlwurm ess ich nicht", jammerte eine "sehr tierliebe" Blondine im Dschungelcamp von RTL. Damit wurde sie Teil der aktuellen Diskussion rund um moralisch vertretbare Essgewohnheiten, die von kritischen Bestseller-Autoren wie Karen Duve und Jonathan Safran Foer angeheizt wird. Tatsächlich verzichten immer mehr Menschen bei ihrer Ernährung auf Fleisch. Der Großteil der Bevölkerung hingegen definiert ein "ordentliches Essen" allerdings keinesfalls fleischlos.
Uns interessierte, ob eine vegetarische Lebensweise Auswirkungen auf die Partnersuche hat. Verursacht das Bekenntnis, auf Fleisch zu verzichten, Enttäuschung oder Freude? Die Tendenz unter den 631 Personen, die an der Umfrage teilnahmen, ist eindeutig: 23 Prozent der Männer - im Gegensatz zu 13 Prozent bei den Frauen - sehen keine Chance für eine Beziehung, wenn sich der andere als Vegetarier entpuppt. Warum? Ganz einfach: Man selbst esse einfach zu gern Fleisch oder, noch wichtiger, man könne sich keinen "typischen Vegetarier" an seiner Seite vorstellen. Was das genau bedeuten soll, blieb offen.
Die Vorstellung vegetarischer Speisen auf dem häuslichen Esszimmertisch erschreckt viele Männer. Betrachtet man die Ergebnisse der aktuellen Nationalen Verzehrsstudie des Max Rubner-Instituts wird dies auch verständlich. Demnach essen Männer nämlich doppelt so viel Fleisch wie Frauen. Laut dem "kulinarischen Geschlechterforscher" Denis Scheck ist diese Neigung in längst vergangenen Tagen begründet: "Fleisch bedeutet die Macht über Leben und Tod. Als 'Energiespender' war es dem kämpfenden, Schwerstarbeit verrichtenden Mann vorbehalten."
Trotzdem: Vegetarier müssen sich nicht verstecken oder gar beim Date zur Tarnung einen Schweinsbraten bestellen. Für 25 Prozent der männlichen Teilnehmer unserer Umfrage und 27 Prozent der Frauen ist die Aussage "Ich esse kein Fleisch" einfach eine weitere Information von vielen. 22 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen verbuchen Vegetarismus sogar als Bonus: "Weil mich eine Beziehung mit einem Vegetarier dazu bringen könnte, mich selbst bewusster zu ernähren" (größtenteils männliche Begründung) oder "Weil ich dabei an einen gesundheitsbewussten, eher schlanken Menschen denke" (eher eine weibliche).
Bücher zum Thema
Eva Gritzmann und Denis Scheck: Sie & Er. Der kleine Unterschied beim Essen und Trinken. Bloomsbury 2011, 18 EUR
Karen Duve: Anständig essen. Ein Selbstversuch. Galiani 2010, 19,95 EUR
Jonathan Safran Foer: Tiere essen. Kiepenheuer & Witsch 2010, 19,95 EUR