Schiller empfiehlt grundsätzlich Offenheit. "Sagen Sie deutlich, dass Sie noch Zeit brauchen. Sie unterliegen bei PARSHIP keinem Zwang, sondern nur dem eigenen Empfinden und Wollen." Zu ausgiebig sollte der Mailaustausch vorm ersten Treffen aber auch nicht sein. "Dabei tappt man schnell in eine Falle", so die Expertin, "nämlich die Illusion, die man sich vom anderen aufbaut. Unter Umständen entsteht so ein komplett falsches Bild. Da ist es nur logisch, dass man beim Aufeinandertreffen meistens enttäuscht ist."
"Schick mir doch zuerst noch andere Fotos von dir, dann können wir mailen", so hat Peter (43) auf die Mail von Sabine (38) reagiert. Seine Erklärung dafür: "Ich verschwende nicht gerne meine Zeit. Ich maile nur Frauen, die mir optisch auch wirklich gefallen." Auf Sabine hat das natürlich keinen guten Eindruck gemacht. Klar möchte auch sie einen Mann haben, der ihr gefällt. "So unter Druck gesetzt zu werden, war für mich aber sehr unangenehm." Nicole Schiller, die PARSHIP-Psychologin, betont, dass auch im Internet die Umgangsformen beibehalten werden müssen. Das Internet verleite manche zu ganz rigorosen Ansagen und Forderungen, die sie so im echten Leben niemals stellen würden.
Anja (32) war sich nach der ersten Mail von Frank (37) sicher, dass sie diesen Mann unbedingt treffen muss. Seine Art zu schreiben, sein Bild ... alles gefiel ihr. Wozu also viele Mails schreiben - warum nicht gleich verabreden? Gedacht, getan. Anja hat Frank sofort nach einem Treffen gefragt. Doch was als Antwort kam, war eine freundliche Absage. Frank hatte die Bremse gezogen. Für ihn war Anja zu schnell. "Das war für mich wie ein Blitzschlag", erzählt Anja. Sie sei regelrecht vor ihrem Computer zusammengezuckt. Anja ist kein Einzelfall. Einer PARSHIP-Umfrage zufolge gibt jedes dritte Mitglied zu viel Gas und schon tritt der andere auf die Bremse. Dabei sind nicht nur die Männer die Raser, immer häufiger wollen auch Frauen, so wie Anja, keine Zeit verlieren.
Nicht nur im Vorfeld einer Verabredung, auch bei der Verabredung selbst ist sie entscheidend, die Zeit. Sonja (29) und André (34) konnten es einfach nicht abwarten und verabredeten sich spontan zum Essen in ihrer Mittagspause. "Vom ersten Moment an waren wir zu dritt", erinnert sich Sonja. "Da war André, da war ich und da war dieser Zeitdruck." - "Meine Mittagspause ist eben nur 40 Minuten lang", rechtfertigt sich André. In so einer Situation zerstört der Mangel an Zeit, dass man sich miteinander beschäftigt, sich auf den anderen konzentriert. Sonja und André gingen enttäuscht auseinander. Ein anregendes Gespräch kam eben nicht zustande. Beide vermieden es dann, wieder miteinander in Kontakt zu treten.
Zu den 32 Prozent der befragten Mitglieder von PARSHIP, die gerne das Tempo anziehen, gehört auch Tobias (42): "Mir ist es schon immer schwergefallen, meine Gedanken und Worte in Sätze zu fassen. Interessiert mich eine Frau, möchte ich sie kennen lernen. Dann weiß ich auch sofort, ob das was mit uns werden kann oder nicht. Das erspart mir und ihr unnötige Mails." Expertin Schiller kann solche Argumente gut nachvollziehen. "Sicher haben auch die Frauen, die Tobias bei PARSHIP gefallen, dafür Verständnis. Der Knackpunkt ist aber, dass er ihnen höflich und ohne Druck zu machen, sagen muss, warum er doch lieber früher ein Treffen will als später." Generell bleibt festzuhalten, dass online das Geiche gilt wie außerhalb des Internets: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus.
Oft ist die Art und Weise, wie man sich in dem Punkt "schnell oder erst später treffen" einigt, eine Art Vorbote für eine mögliche Zweisamkeit. "War die Zeitfrage überhaupt kein Thema zwischen Ihnen, haben Sie schon ein gemeinsames Tempo", erläutert Nicole Schiller. Könne man sich hingegen nur schwer in diesem Punkt einigen, sollten sich beide die Frage stellen, ob ein Aufeinandertreffen dann generell eine gute Idee sei. "Sind beide am Anfang unterschiedlicher Meinung, können sich das aber sagen und auch einigen, ist auch das eine gute Basis, um sich kennen zu lernen."