Vor ein paar Jahrzehnten war es noch sehr ungewöhnlich, sich von seinem Partner scheiden zu lassen. “Bis das der Tod euch scheidet“ war mehr als nur eine bloße Floskel, welcher man sich beim Ja-Wort gegenseitig versicherte. Es bedeutete oftmals tatsächlich, dass eine Ehe erst beendet wurde, wenn ein Partner verstarb (zum Beispiel der Mann, der in den Krieg ziehen musste oder nach vielen Jahren durch das Alter der Ehepartner). Heutzutage ist es nicht nur so, dass Scheidungen relativ häufig durchgeführt werden - die Heirat selbst ist nicht einmal mehr Voraussetzung, um in einer gesellschaftlich geachteten Beziehung zu leben. Beziehungen werden schneller geschlossen und beendet und häufig stehen Menschen, die sich frisch von einem Partner getrennt haben, mit gemeinsamen Kindern da. Diese machen es manchmal schwierig, sich auf eine neue Partnerschaft einzulassen, da sich der potentielle Partner nicht nur auf den Menschen selbst, sondern auch auf seine Kinder einlassen muss - eine Patchwork Familie.
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Vegetarisch? Vegetarisch!
Hamid (39) und Julia (33)
Auf dem Weihnachtsmarkt funkte es
Wolfram (49) und Michaela (46)
Sie drei Kinder, er zwei
Christiane (41) und Oliver (44)
Auf einer Wiese in der Wachau
Clemens (45) und Maria (42)
Unter einer Patchwork Familie versteht man genau die oben beschriebene Konstellation. Zwei Menschen gehen eine Beziehung ein und hierbei hat zumindest einer ein Kind oder mehrere Kinder aus einer vorangegangenen Beziehung. Das Besondere an einer Patchwork Familie, in welcher beide Partner Kinder mit in die Beziehung einbringen, liegt in der engen Verbundenheit und dem Verständnis für die jeweils andere Situation, welches sich Partner entgegenbringen können. Jeder der beiden Partner in einer Patchwork Familie weiß wie es ist, mit Kindern verlassen zu werden und wie schwer sich die Suche nach einem neuen Partner gestalten kann. Abhängig davon, wie alt die eigenen Kinder sind, kann das Leben in einer Patchwork Familie erschwert oder erleichtert werden. Ist ein Kind noch sehr klein oder sogar im Säuglingsalter, wird es den neuen Partner vermutlich problemlos als Vater- oder Mutterersatz akzeptieren. Eine Patchwork Familie, in welcher Teenager oder ältere Kinder im pubertären Alter leben, kann größere Probleme erwarten. Hier ist entscheidend, wie das Verhältnis der Kinder zum Ex-Partner ist und wie sie sich gegenüber dem neuen Partner verhalten - ist dieser ein guter Freund oder ein erwünschter oder unerwünschter Vaterersatz? Ebenfalls kann es in einer Patchwork Familie zu Rivalitäten zwischen den Kindern der beiden Partner kommen - abhängig von Alter, Geschlecht, Interessen und natürlich der Veränderung der jeweiligen Lebenssituation, welche durch das Gründen der Patchwork Familie entstanden ist.
Ziehen zwei Partner mit ihren Kindern zusammen, so kann dies für die Kinder den Verlust von Privilegien bedeuten. Hatten die Kinder ihr Elternteil erst ganz für sich, müssen sie es nun in der Patchwork Familie mit einem anderen Erwachsenen und gegebenenfalls noch dessen Kindern teilen. Schlimmstenfalls ist es räumlich bedingt sogar notwendig, dass Kinder sich ein Zimmer teilen - obwohl sie dies vorher vielleicht nicht mussten. Solche Verluste von Privilegien sind problematisch und können einer Patchwork Familie das Leben schwer machen. Beachtet man jedoch diese Stolperfallen, so kann eine Patchwork Familie gut funktionieren. Partner sollten keinen Elternersatz für andere Kinder darstellen und den Kontakt zum leiblichen Elternteil unterstützen, wenn die Kinder dies wollen - auch wenn dies nicht unbedingt immer einfach ist. Auch sollte versucht werden, dass Kinder möglichst wenig Nachteile durch das Gründen der Patchwork Familie empfinden - so kann man das Konfliktpotential gering halten und dafür sorgen, dass man in einer Patchwork Familie glücklich werden kann.