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Beziehungsmuster: Wie die Kindheit und vergangene Beziehungen unser Paarglück prägen

Mit jeder neuen Partnerschaft ist die Hoffnung groß: Das ist sie jetzt, die eine Beziehung, die Glück bis zum Lebensende verspricht! Aber nach einiger Zeit wiederholen sich bei einigen die Muster aus vergangenen Partnerschaften. Sie verfallen in alte Routinen und wünschen sich doch so sehr, es dieses Mal anders zu machen. Das ist zum einen normal, denn jede und jeder startet in eine Beziehung mit einem Bündel voller Vorerfahrungen, die sich auch auf aktuelle Partnerschaften auswirken. Zum anderen ist dieses Bündel alter Erwartungen und erlebter Beziehungsmuster keine unveränderliche Konstante. Sie lässt sich durchbrechen und verändern – für eine glückliche und stabile Partnerschaft.

Beziehung © iStock

Die Theorie: Stabile, instabile und toxische Beziehungen

Der US-amerikanische Psychologe Dr. John Gottman analysierte im Laufe seiner Karriere als Psychologie-Professor unzählige Paarbeziehungen in seinem mittlerweile berühmten „Love Lab“. Er klassifizierte drei stabile sowie zwei instabile Arten von Beziehungsmustern, die sich aus den über die Jahrzehnte hinweg beobachteten Paarbeziehungen herauskristallisierten. Stabile und nachweislich langfristig glückliche Partnerschaften kennzeichnen sich durch diese Verhaltensweisen:

  • Lebhaft-impulsiv: Positive und negative Erlebnisse wechseln sich ab, die Emotionen sind stetig und stark, es wird schnell „laut“;
  • Konstruktiv: Positives und Negatives tritt gemäßigter auf, beide Partner sind aber kompromissbereit, kooperativ und in der Lage, Themen sachlich zu besprechen;
  • Konfliktvermeidend: Streits werden vermieden und die Fähigkeit zur Problembearbeitung ist eher weniger entwickelt;

Instabile beziehungsweise ungesunde Beziehungsmuster beschreibt Gottman mit diesen beiden Kategorien:

  • Feindselig-engagiert: Auf Kritik wird durch verletzende und abwertende Äußerungen reagiert, ein konstruktiver Umgang mit Streitpunkten findet kaum oder gar nicht statt;
  • Feindselig-vermeidend: Die Partner sind gefühlsmäßig kaum oder gar nicht involviert, wirken isoliert und unbeteiligt;

Wer diese Art von Beziehungsverhalten wahlweise selbst erlebt oder bei nahen Angehörigen beobachtet hat, ist sich der zerstörerischen Auswirkungen nur zu bewusst. Mittlerweile wird bei ungesunden Beziehungsmustern oft von toxischen, also giftigen Beziehungen gesprochen.

Toxische Beziehungen zeigen sich ganz konkret durch:

  • Emotionale, finanzielle oder anderweitige Abhängigkeiten, die ein Verlassen beziehungsweise Verlassenwerden deutlich erschweren
  • Wesensveränderungen bei einem oder beiden in der Beziehung befindlichen Personen
  • Egoismus
  • Eifersucht
  • Kontrollsucht
  • Abwertung, Kränkung, Beleidigung und Erniedrigung 

Physische und psychische Gewalt spielt in die Kategorie der toxischen Beziehungen ebenso mit hinein wie der Wunsch des einen Partners, den anderen vollständig zu vereinnahmen und sie oder ihn in Abhängigkeiten zu halten. Ein sicheres Zeichen für toxische Beziehungen ist nahezu immer der Satz: „Ich kann nicht gehen!“ oder „Wenn du …, dann … ich“-Formulierungen, die das Gegenüber emotional erpressen.

In einer geborgenen und liebevollen Beziehung sollte die Option des Gehens immer offenstehen. In glücklichen Beziehungen entscheiden sich beide Partner schließlich ganz bewusst und Tag für Tag dafür, bleiben zu wollen.

Die Auslöser: Bindungs- und Beziehungsmuster aus Kindheit und Traumata

Kinder erfahren die Grundmuster des sozialen Zusammenlebens primär durch Eltern, nahe Angehörige und freundschaftliche Beziehungen. War die Beziehung der Eltern durch Verletzungen, vermiedene Konflikte oder Vertrauensbrüche gekennzeichnet, wirkt das häufig auf spätere Beziehungen nach.

Auch das eigentliche Bindungsverhalten beeinflusst, wie sich Erwachsene im späteren Leben auf Partnerschaften einlassen können. Unbewusste Verlust-, Versagens- oder Verlassensängste resultieren oft aus der Säuglings- und Kleinstkindzeit.

Traumatische Ereignisse wie abwesende Elternteile, durchlebte Scheidungen oder der plötzliche Tod eines nahen Angehörigen entscheiden mit darüber, ob Säuglinge beziehungsweise Kleinkinder sich später gut auf Partnerschaften einlassen können. Resiliente, d. h. emotional gestärkte und sicher gebundene Kinder verarbeiten solche einschneidenden Erlebnisse in der Regel oft besser als unsicher gebundene Kinder. Letztere sind im Erwachsenenalter oft kontrollsüchtig beziehungsweise klammern, neigen zu einem eher geringeren Selbstwertgefühl und behalten emotionale Verletzungen eher für sich. Die Lehre aus der Kindheit, schwierige Erfahrungen zunächst mit sich selbst auszumachen, weil kein nahestehender Erwachsener zur Seite stand, hallt noch lange nach.

Erlebte Gewalttaten und traumatische Erfahrungen aus vorherigen Beziehungen wirken sich ebenso darauf aus, wie sich aktuelle Partnerschaften entwickeln.

  • Wer vom Ex betrogen wurde, wird künftig weniger leicht vertrauen und eher Strategien zur Kontrolle einsetzen.
  • Wer sich in der letzten Ehe ungeliebt und abgewiesen fühlte, wird stärker auf Liebesbekundungen reagieren und sie vielleicht sogar viel offensiver einfordern.

Beides sind verständliche Reaktionen, die beim neuen Herzensmenschen aber zu Irritationen führen können.

Hinweis: Waren Ex-Partner oder Familienangehörige Narzissten beziehungsweise Menschen mit starker narzisstischer Prägung? Dann wird dringend zu einer professionellen Begleitung durch ausgebildete Therapeuten geraten, um in künftigen Beziehungen narzisstisches Verhalten schneller erkennen und sich davon befreien zu können.

Die Praxis: Beziehungsmuster bewusster erkennen

Aus welchen Gründen haben Sie sich in der letzten Beziehung getrennt? Und in der davor? Manchmal zeigen sich erst mit etwas zeitlichem Abstand Ähnlichkeiten bei den Trennungsursachen:

  • Die Partnerin, die auf mehr Freiheiten drängte, als für einen selbst akzeptabel waren.
  • Der Partner, der zu sehr klammerte und ständig auf Nähe drängte.
  • Der Liebste, der teils über Stunden nicht erreichbar war.
  • Die Liebste, die sich selbst über kleinste Versäumnisse furchtbar aufregte und zunehmend Druck aufbaute.

Das beschreibt in der Regel Ex-Partner, die unwillkürlich an kritischen Punkten in einem selbst rührten – ohne dass diese Punkte vorab klar benannt worden wären.

Es lohnt sich im Interesse künftiger Beziehungen, vergangene Partnerschaften genauer zu beleuchten.

  • Gab es emotionale Distanz oder heftigen Streit?
  • War im Grunde das eigene fehlende Selbstwertgefühl der Auslöser für den Wunsch nach mehr Kontrolle?
  • Hat sich die eigene Angst vor dem Verlassenwerden bewahrheitet und wenn ja, welche eigenen Verhaltensweisen gingen dem voraus?
  • Ist der Herzensmensch noch vor dem nächsten verbindlichen Schritt auf Abstand gegangen?
  • Wann und durch welche Handlungen kam es zum Vertrauensbruch?

Mit diesem Gepäck an Erlebtem spazieren wir in beginnende Partnerschaften hinein und lassen die vertrauten Verhaltensmuster oft ohne weitere Beachtung wieder ablaufen: „Das hat die/der Ex auch immer gemacht! Geht das schon wieder los, dass mein Vertrauen missbraucht wird?“ oder „Wenn ich jetzt das schwierige Thema auf den Tisch bringe, ist sie/er bestimmt beleidigt und redet nicht mehr mit mir!“ sind typische Gedankengänge, die einem dann durch den Kopf gehen können.

Oft spricht da die Erinnerung an erlebte Verletzungen, die die Handlungen im Jetzt beeinflussen. In der Gegenwart reagiert der Herzensmensch vielleicht ganz anders als erwartet – wenn er eine Chance dazu erhält.

Tipp: Kurz tief einzuatmen, gedanklich und innerlich einen Schritt zurück machen und dann bewusst die oder den Liebsten fragen, was genau gemeint war, kann ungemein helfen.

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Die Lösung: Beziehungsmuster bewusst durchbrechen

Kennst du die sogenannte Gottman-Konstante? Sie besagt, dass auf ein negatives Erlebnis in der Partnerschaft fünf gute Aktionen folgen sollten. Auf diese Weise bleiben nicht die schlechteren Ereignisse stets und ständig präsent – sondern die guten überwiegen. Und das auch in der Erinnerung!

Für eine vergessene Verabredung sollten dann also fünf gute Dinge folgen. Beispielsweise

  1. Frühstück ans Bett bringen oder gebracht bekommen;
  2. Verabredungen künftig nicht mehr vergessen, sondern sofort im Kalender notieren;
  3. das Lieblingsessen kochen;
  4. zusammen eine neue Serie beim Lieblingsstreamingdienst starten;
  5. eine liebevolle Botschaft ohne Anlass, sondern einfach so auf dem Anrufbeantworter hinterlassen.

In der Regel braucht es zwischen 14 Tage und vier Wochen, bis neue Verhaltensweisen fest im Alltag integriert sind. Deshalb kann es anfangs sinnvoll sein, diese Art von Aufrechnung ganz bewusst schriftlich festzuhalten. Führe Strichlisten, ganz für dich selbst oder auch gemeinsam mit dem Herzensmenschen.

Später geht die 5:1-Konstante in gesunden, stabilen Beziehungen ganz von allein in Fleisch und Blut über. Dann ist es selbstverständlich und gelebte Beziehungspflege, sich gegenseitig ganz bewusst Gutes zu tun. Vor allem im Anschluss an erlebte Konfliktsituationen, aber auch generell im täglichen Auf und Ab.

Schon mal eine Familienkonferenz abgehalten? Bei diesem Treffen wird wöchentlich bis monatlich besprochen, wie es den Familienmitgliedern geht. Ob Sie als Paar zu zweit sind oder auch Kinder in der Beziehung vorhanden sind, ist dabei unerheblich. Jede und jeder darf wichtige Themen aussprechen. Setzen Sie sich bewusst ein Zeitlimit von einigen Minuten pro Person, in denen ohne Unterbrechung gesprochen wird. Thematisiert werden sollten Fragen wie:

  • Was hat mich gestärkt?
  • Was hat mich verletzt?
  • Was hätte ich mir als Reaktion gewünscht?
  • Wie möchte ich künftig mit bestimmten Situationen umgehen?

Eine achtsame, ich-bezogene Sprache erleichtert hier die Kommunikation miteinander. Es geht nicht darum, vergangene Konflikte neu aufzurollen – Anschuldigungen und Schuldzuweisungen haben deshalb in solchen Gesprächsrunden keinen Platz. Stattdessen geht es darum, Erlebnisse und Emotionen mit etwas zeitlichem Abstand gemeinsam zu bewerten. Aktives Zuhören ist in diesem Prozess ebenso unverzichtbar wie die Fähigkeit, über eigene Gefühle und Wahrnehmungen sprechen zu können.

Beide Methoden zusammengenommen stärken die Kommunikation in der Partnerschaft. Was wiederum dazu beiträgt, alte Beziehungsmuster frühzeitig zu erkennen und zu durchbrechen.

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