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Körperkontakt: Warum Berührungen wichtig für uns sind

Haut- und Körperkontakt sind wahre Immunbooster. Sie stabilisieren den Kreislauf, senken den Stresslevel, beruhigen den Puls und die Atmung. Wer regelmäßig Berührungen erfährt, ist gesünder und stabiler als diejenigen, die ohne Körperkontakt auskommen müssen.

Körperkontakt & Kuscheln © iStock

Körperberührung, Körperkontakt, Hautkontakt – vielfältige Berührungen

Berührungen sind lebensnotwendig. Für Babys und Kleinkinder bedeuten fehlende sensorische Stimulationen (Hautkontakt) sogar eine massive Beeinträchtigung: Ihr Wachstum verzögert sich messbar, Puls, Atmung und das Herz-Kreislauf-System sind instabiler. Fehlende Berührung macht Babys regelrecht krank. Frühcheneltern wird deshalb das sogenannte „Känguruing“ ans Herz gelegt: Bei täglichen Kuscheleinheiten mit ihren winzigen Schätzen, gut eingepackt und in der sicheren Umgebung des Krankenzimmers, tanken die Babys – und ihre Eltern – Nähe und die Berührung von Haut auf Haut.

Eine schaurige Anekdote aus der Geschichte: Kaiser Friedrich II. wollte in einem Experiment herausfinden, welche „Ursprache“ Kinder entwickeln. So ließ er einige Babys ohne jede körperliche Nähe und Ansprache von Ammen aufziehen, in der Hoffnung, sie würden von allein sprechen lernen. Das Experiment ging allerdings fürchterlich schief: Alle Kinder blieben stark entwicklungsverzögert und starben.

Die Wissenschaft weiß heute, dass sensorische Stimulation, also streicheln, berühren, in den Arm nehmen, wiegen und kuscheln, für Babys absolut überlebensnotwendig ist.

Dieses elementare Bedürfnis nach Nähe und Körperkontakt verliert ein wenig von seiner Bedeutung, sobald wir erwachsen sind. Denn wir leben in einer Kultur, in der Berührungen nur sehr wenigen Personen vorbehalten sind – und bei noch viel weniger Personen ist Haut-an-Haut-Kontakt eine echte Option. Stattdessen gehen wir auf Distanz. Es gibt sogar ganz konkrete Zonen, mit denen sich die Abstände im Alltag gut beziffern lassen:

  • Öffentliche Zone: 3,60 Meter um eine Person herum
  • Soziale Zone: 1,20 Meter bis 3,60 Meter, abhängig von der Bekanntheit der Personen zueinander
  • Persönliche Zone: 60 Zentimeter bis zu 1,20 Meter
  • Intime Zone: 60 Zentimeter

Besonders auf öffentlichen Veranstaltungen lässt sich gut beobachten, wie sensibel man selbst auf seine individuellen Schutzzonen bedacht ist. In Bus und Bahn fühlt man sich oft und viel schneller unangenehm berührt, weil dort die intime Zone besonders stark unterschritten wird – von völlig Fremden.

Körperberührung, Körperkontakt und Hautkontakt stehen nicht immer und jedem offen:

  Körperberührung Körperkontakt

Hautkontakt

Offen für

Fremde, Bekannte, Familie, Freunde, Partner & Kinder

Bekannte, Freunde, Familie, Partner & Kinder

Partner & Kinder

Formen

Anrempeln, anstupsen, Hand schütteln, Hand reichen (Ausstiegshilfe beim Taxi oder Bus etc.)

Umarmungen (bekleidet), Küsse, in den Arm nehmen, nah beieinander sitzen

Umarmungen (unbekleidet/Haut-an-Haut), gemeinsames Duschen/Baden, Sex

Auswirkungen

Abhängig von der Person: Machtausübung oder Bestärkung/Beruhigung, Kontaktaufbau

Beruhigung & Senken von Blutdruck, Puls & Atmung

Aktives Senken von Stresslevel, Stärkung des Immunsystems, Anregung des Wachstums (bei Kindern)

Empfundene Wirkung

Flüchtig, eventuell irritierend

Beruhigend, vertraut

Heilsam, beruhigend, bindungsfördernd

Singles, aber auch ältere Menschen und solche, die in eher unglücklichen Beziehungen leben, vermissen das intensive Gefühl des Hautkontakts oft schmerzlich. Dieses Grundbedürfnis lässt sich auch nur sehr bedingt im Alltag und außerhalb einer innigen Partnerschaft erfüllen.

Die Macht der Berührung

Rund 640.000 Tastpunkte sitzen in der Hautschicht und leiten feinste Informationen an unser Gehirn weiter. Liebevolle Umarmungen senken den Blutdruck, stärken das Herz-Kreislauf-System und regulieren die Atmung. Direkter Körperkontakt von vertrauten Personen beruhigt, stärkt und gibt Halt. Dabei werden die Hormone Oxytocin und Dopamin ausgeschüttet – und zwar bei allen Beteiligten.

Erwachsene benötigen bis zu zwölf Umarmungen pro Tag, um physisch und psychisch gesund zu bleiben. Ein kurzes Händeschütteln hier und ein freundliches Rückentätscheln dort kann das volle Ausmaß an benötigtem Körperkontakt nicht ersetzen. Vor allem ältere Menschen und Alleinstehende spüren diesen Mangel an körperlicher Nähe. Experten raten zur Kompensation:

  • bewusst Hobbys zu suchen, die mit Körperkontakt arbeiten, wie Sport, Vereinsleben, Tanzen
  • Haustiere wie Katzen oder Hunde anzuschaffen, denn diese fordern aktiv Streicheleinheiten ein und geben Körperkontakt zurück
  • sich selbst Massagen oder Wellnessanwendungen zu gönnen, die mit Hautkontakt einhergehen

Darüber hinaus berührt sich jeder Mensch täglich viele hunderte Male selbst. Auch das beruhigt und stabilisiert. So zupfen sich manche an den Haaren, streichen sich über Gesicht und Nacken, oder umarmen sich in Stresssituationen selbst.

Kommerzielle Angebote in dem Bereich bieten beispielsweise strikt platonische Kuschelrunden - für Gruppen oder Einzelpersonen - und Umarmungen oder Vergleichbares. Vor allem in Großstädten sind „professionelle Umarmer“ in steigender Zahl zu finden.

Körperkontakt und Berührungen in der Beziehung

Langfristige, stabile Beziehungen zeichnen sich häufig durch stetige kleine Berührungen aus.

  • Beim Frühstückstischeindecken streicht er ihr kurz über den Arm.
  • Beide nehmen sich beim Ausflug an der Hand oder einer hakt sich beim anderen ein.
  • Auf der Couch sitzt man abends nah beieinander, die Füße ineinander verknotet.
  • Küsse werden zur Begrüßung und zur Verabschiedung ausgetauscht.

Diese kleinen, scheinbar oberflächlichen Berührungen verstärken die Bindung zwischen den Partnern, wirken sich positiv auf ihr Immunsystem aus und verringern das Stresslevel. Körperliche Nähe bei der Körperpflege, beim Sex und beim gemeinsamen Schlafen zählen natürlich auch dazu.

Im Umgang mit nahestehenden Personen – wie Partnern, Kindern und nahen Verwandten – sind Berührungen ganz normal. Entsprechend macht es Sinn, ihre positiven, verstärkenden Wirkungen auch in kritischen oder anstrengenden Situationen anzuwenden. Denn das haben verschiedene Studien unter anderem aus den USA bestätigt: Hinweise und Ratschläge gemeinsam mit Berührungen werden eher befolgt und beachtet, als solche ohne Berührungen.

Achtsame und umsichtige Kommunikation mit Kindern besteht beispielsweise aus zwei Punkten:

  1. auf Augenhöhe gehen (niederknien, Kind anheben oder auf eine Sitzerhöhung setzen)
  2. Körperkontakt aufbauen, durch leichtes Berühren, Handhalten oder Ähnliches

Kindern fällt es leichter, mit Erwachsenen auf ihrer eigenen Ebene zu sprechen, anstatt in die Höhe und zum Erwachsenen aufschauen zu müssen. Auch eine leichte Berührung hilft Kindern dabei, sich auf das Gespräch mit Mama oder Papa zu fokussieren.

Das gilt im Großen und Ganzen auch für Partner: Kurze Berührungen in Gesprächen machen die Inhalte verständlicher und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Aufmerksamkeit ganz auf dem Dialog liegt, statt beim Fernseher oder der Tageszeitung.

In stressigen, fordernden Situationen können sich Paare ganz bewusst „herausholen“ und durch Umarmungen „herunteratmen“. Das zentrale Nervensystem setzt grundsätzlich entweder auf Angriff & Flucht – oder verarbeitet eine sensorische Stimulation in Form einer Umarmung. Regt sich der Partner fürchterlich über eine ungerechte Behandlung am Arbeitsplatz auf, hilft eine Umarmung zumindest kurzfristig, um aus dem Stressmoment herauszufinden. Der Liebste oder die Liebste findet Halt und Trost in der Nähe und dem direkten Körperkontakt.

Berührungen für Singles: Worauf es beim Flirten ankommt

Nun hat nicht jeder das Glück, jederzeit Berührungen zu erhalten. Singles sehnen sich vielleicht nach Hautkontakt und körperlicher Nähe, sollten beim ersten Date mit aber nichts überstürzen. Wer zu schnell und ohne Aufforderung in die intime Zone seines Gegenübers eindringt, kann schnell im Aus landen.

Zufällige, kleine und flüchtige Berührungen sind natürlich okay:

  • Die Finger streifen sich, während der eine dem anderen das Getränk übergibt.
  • In lauten Kneipen oder Discos berührt man sich zwangsläufig, um sich gegenseitig über den Lärm hinweg zu verstehen – man neigt sich zueinander, stellt Körperkontakt her.

Tanzen mit vollem Körperkontakt ist in der Regel okay, wenn die Chemie zwischeneinander stimmt. Klassische Standardtänzer haben es hier etwas leichter: Viele Tänze erfordern zumindest ein gewisses Maß an Körperkontakt, beispielsweise an Händen, Taille oder Schulter.

Perfekt für unauffällige Berührungen ist übrigens der klassische Kino-Besuch: Bei der geteilten Popcorn-Tüte stoßen die Finger immer mal wieder aneinander. Auch über Kinosessellehnen hinweg lässt es sich etwa bei gruseligen Szenen näher zusammenrutschen. Selbst diese kleinen Formen der flüchtigen Berührung wirken sich schon auf unsere Gesundheit und unser Immunsystem aus.

Wird aus dem Flirt schließlich eine Beziehung und die vormals flüchtige Berührung intensiver und regelmäßiger, setzen all die positiven Effekte des Körperkontakts ein.

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