Pandemie ist Booster für Online-Liebe

31.01.2022 Katharina Hemmelmair
Studie: Seit Beginn der Pandemie haben sich 43 Prozent der Paare in Österreich online verliebt, weitere 16 Prozent über Freunde oder Bekannte und 15 Prozent am Arbeitsplatz. Beim Ausgehen lernten in den vergangenen zwei Jahren nur mehr acht Prozent der Befragten ihre bessere Hälfte kennen, vor Corona waren es fast doppelt so viele.

Wo verliebt man sich in Pandemie-Zeiten? Als die Corona-Krise vor bald zwei Jahren begann, war unklar, wie sich Lockdowns und Kontaktbeschränkungen auf die Partnersuche auswirken würden. Inzwischen lassen sich die Veränderungen in Zahlen belegen. In einer aktuellen repräsentativen Studie bestätigen 43 Prozent jener Paare, die sich in den letzten zwei Jahren verliebt haben, dass sie einander online kennen gelernt haben – sei es über eine Dating-App, ein soziales Netzwerk oder woanders im Internet. So finden auch 90 Prozent aller Befragten, dass es heutzutage ganz normal sei, jemanden im Internet kennenzulernen. Jene, die ihren aktuellen Partner per Mausklick getroffen haben, betonen auch, dass man online eher einen passenden Partner / eine passende Partnerin findet. Trotzdem sprechen 21 Prozent lieber nicht darüber, dass sie sich über das Internet verliebt haben. Das ergab eine repräsentative Studie* unter 1.500 Österreicherinnen und Österreichern, die von 23. November bis 2. Dezember 2021 im Auftrag der Dating-App Parship.at durchgeführt wurde.

Online entstandene Partnerschaften in vier Jahren verdoppelt

Wer sich bis zur Jahrtausendwende – und damit vor dem Aufkommen der Online-Partnersuche – verliebte, lernte seinen Partner bzw. seine Partnerin am ehesten beim Ausgehen (32%), über Freunde und Bekannte (24%), durch berufliche Kontakte (16%) oder in der Schule bzw. Universität (6%) kennen. Das Internet ist heute mit großem Abstand jener Ort, wo die meisten Menschen einen Partner bzw. eine Partnerin suchen – und auch finden. So verdankt ein Großteil der Paare in Österreich, die sich in den letzten zwei Jahren kennengelernt haben, ihre Liebe dem Internet. Die Anzahl der online entstandenen Partnerschaften hat sich in den letzten vier Jahren fast verdoppelt: 2018 waren es 23 Prozent, 2019 bereits 31 Prozent und am Ende des Jahres 2020, also nach einem Dreivierteljahr Pandemie, machten die Online-Paare schon 40 Prozent aller neu entstandenen Liebesbeziehungen aus. 2021 sind es nun sogar schon 43 Prozent.

Online-Dating ist gekommen, um zu bleiben

„Die meisten Paare finden einander online“ fasst Caroline Erb, Psychologin bei Parship, die Studie zusammen. „Der Trend ließ sich schon vor der Pandemie beobachten, er tritt allerdings jetzt verstärkter auf. Denn viele Möglichkeiten des Kennenlernens, wie Feste feiern oder Ausgehen, wurden seit nun schon fast zwei Jahren zunehmend schwieriger. Aus heutiger Sicht sind die Erfolgsaussichten, einen passenden Partner zu finden, online eindeutig am größten.“

Nur mehr acht Prozent verlieben sich beim Ausgehen

Beim Weggehen sind in den vergangenen zwei Jahren nur acht Prozent der Partnerschaften entstanden, vor Beginn der Pandemie waren es beinahe doppelt so viele (15%). Am Arbeitsplatz funkt es weiterhin bei 15 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher. Das sind ungefähr gleich viele wie früher. Etwas aus der Mode gekommen scheint hingegen das klassische „Verkuppeln“, denn das Verlieben im Freundes- und Bekanntenkreis nimmt ab. Während vor 20 Jahren jedes vierte Paar (24%) über Freunde Bekanntschaft machte, sind es heute nur noch 16 Prozent.

Mehr als jeder Fünfte will nicht darüber sprechen

Umso überraschender ist die Tatsache, dass 21 Prozent der Befragten, die ihren aktuellen Partner online gefunden haben, nicht darüber reden wollen. Gleichzeitig vertreten sie die Meinung, dass man heutzutage online die größte Chance hat, jemand Passenden kennen zu lernen (84%). Von jenen Befragten, die ihren Partner offline – also außerhalb des Internets – kennengelernt haben, glauben dies 58 Prozent. Online-Paare sind außerdem der Ansicht, dass man im Internet eher einen passenden Partner bzw. eine passende Partnerin kennenlernt, weil man vorab schon viele Informationen über den anderen hat (80% vs. Offline-Paare 55%).

Erb: „Obwohl Online-Dating schon lange nichts Exotisches mehr ist und sich fast jedes zweite Paar über das Internet kennen lernt, fällt es manchen schwer, offen darüber zu sprechen. Das ist durchaus in Ordnung und auch nachvollziehbar, denn die Art und Weise des Kennenlernens ist etwas Intimes und Privates.“

 

*) Studieninfos: Die bevölkerungsrepräsentative Studie wurde im Auftrag der Dating-App Parship.at von Marketagent.com durchgeführt. Von 23. November bis 2. Dezember 2021 wurden 1.500 webaktive Österreicherinnen und Österreicher im Alter zwischen 18-69 Jahren befragt, darunter 1.064 in Partnerschaft lebend.