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Besondere Situationen

Fremdgehen verzeihen

Einer der häufigsten Gründe dafür, sich zu trennen, ist der Seitensprung. Für viele Menschen ist es schier unvorstellbar, einen solchen Vertrauensbruch zu verzeihen. Jedoch teilen diese Ansichten nicht alle Betrogenen: Aus unterschiedlichen Gründen wollen einige trotz der Tatsache, dass der Partner/die Partnerin fremdgegangen ist, an der Beziehung festhalten und versuchen, neues Vertrauen zu fassen und den Seitensprung zu verzeihen. Der folgende Text möchte all jenen, die von ihren Partnern/Partnerinnen betrogen wurden, Denkanstöße liefern, Entscheidungshilfen anbieten und das Thema "Fremdgehen" möglichst neutral beleuchten. Nach der Lektüre fällt es dem Einzelnen hoffentlich leichter, die Frage "Kann ich verzeihen?" für sich selbst zu beantworten.

Unglückliche Frau Wut und Enttäuschung nach dem Seitensprung...  –   © istock

Versuchen, sich zu distanzieren

Kurz nachdem der geliebte Mensch einem offenbart hat, er sei fremdgegangen, bricht eine Welt zusammen. Im ersten Moment kann der Verstand nicht begreifen, was er da gerade aufgenommen hat - hält es unter Umständen für einen schlechten Scherz, eine Lüge, ein Missverständnis.
Doch auch, wenn der Sachverhalt verstanden wurde, macht es die Lage nicht besser: Wenn das volle Ausmaß der Mitteilung angekommen ist, überschlagen sich die Gefühle; Trauer, Fassungslosigkeit, Enttäuschung, Wut, Aggression, Rachegelüste, Scham. Sie alle gehen ineinander über, verwischen und machen es unmöglich, einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn vernünftige Worte zu formulieren.
 

Daher tut jeder Betrogene gut daran, sich zunächst aus der Situation zu entfernen und sich vom Anderen zu distanzieren. Diese Verhaltensweise mag zwar kontraintuitiv sein, da jeder, der gerade vom Schmerz übermannt wird, dem Gegenüber gerne alle möglichen Dinge an den Kopf werfen würde (nicht nur im übertragenen Sinne) und ihm am liebsten offenbaren möchte, wie furchtbar die Rolle des Betrogenen ist und wie weh er einem getan hat. Tatsache ist jedoch, dass man die meisten Dinge, die im Affekt geschehen, später bereut. Daher: Allen Impulsen zuwider handeln und sich zurückziehen. Wem das gelingt, der hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinem untreuen Partner/seiner untreuen Partnerin: Der Betrügende bleibt in der Bringschuld und man selbst am längeren Hebel. In dem Moment, in dem man die Situation verlässt, handelt man souverän und lässt sich nichts zuschulden kommen. Der Partner/die Partnerin wird mit seinem/ihrem schlechten Gewissen alleine gelassen und erhält so die Chance, sich des vollen Ausmaßes seines/ihres Fehlers bewusst zu werden.

Klare Gedanken fassen

Alleine mit seinen Gedanken zu sein, ist zwar schmerzlich, jedoch auch reinigend. Ohne die Einflüsse von außen – insbesondere der schädlichen Einflüsse des untreuen Partners – kann man sich in Ruhe mit der Situation auseinandersetzen und trauern. Schnell jedoch wird sich die Frage aufdrängen, wie es weitergehen soll. Ist Untreue entschuldbar? Ist über einen Seitensprung hinwegzusehen? Ist Vertrauen noch möglich? Bei solchen Fragen bleibt es jedoch nicht, denn ein Partner/eine Partnerin, der/die fremdgeht, bringt die komplette Lebensauffassung ins Wanken: Bin ich noch begehrenswert? Hat er/sie mich jemals geliebt? Was habe ICH falsch gemacht? Es werden so viele Leerstellen auftreten, die es in aller Ruhe zu eliminieren gilt. Daher ist es wichtig, sich über einige Dinge ausführlich Gedanken zu machen, um Antworten zu finden und eine Entscheidung zu treffen.

Eine Analyse des IST-Zustandes

Eine zufriedenstellende Klärung des "Warum" ist nur in den seltensten Fällen möglich. Zumeist kann nicht einmal "der Fremdgänger/die Fremdgängerin" genau erklären, wie es dazu kommen konnte. Was hingegen geklärt werden kann (die Ehrlichkeit des Partners/der Partnerin vorausgesetzt) sind "quantitative" Fragen:

  • Mit wem?
  • Wie oft?
  • Wie lange?
  • Unter welchen Umständen?
     

Sich mit diesen Fakten auseinanderzusetzen ist zwar nicht unbedingt angenehm, jedoch sehr hilfreich für die Entscheidung, ob die Beziehung noch eine Chance hat. Entsprechend wären die Antworten:

"mit einer nahestehenden Person",
"mehrere Male",
"seit einigen Monaten" und
"nicht klar definierbar, sehr unterschiedlich"
 

wesentlich kritischer zu bewerten als

"unbekannt",
"einmal",
"nur dieses eine Mal",
"betrunken".
 

Was ist schlimmer: Affäre oder Seitensprung?

Ein einmaliger Ausrutscher macht den Schmerz kurzfristig zwar nicht zwangsläufig besser ertragbar, langfristig gesehen jedoch wird es leichter sein, damit umzugehen. Eine Affäre hingegen schürft wesentlich tiefer, da sie impliziert, dass der Partner/die Partnerin einen wochen- oder monatelang hintergangen und angelogen hat. Kritisch kommt hinzu, dass für die oder den Andere/n vielleicht schon Gefühle entstanden sind, sodass ein Fortbestand der eigenen Liebe eigentlich keine Chance mehr hat. Letztlich muss diese Entscheidung zwar jeder für sich treffen, allerdings kommt man nicht umhin sich zu fragen, wie die Tatsache langwierigen Hintergehens mit Liebe und Fürsorge vereinbar ist. Alkohol sollte eigentlich keine Entschuldigung sein, jedoch ist es nun einmal so, dass Menschen unter seinem Einfluss oft nicht mehr Herr ihrer Sinne sind. Insbesondere Männer sind anfällig für diese Art des Fremdgehens, da sie zumeist deutlich exzessiver trinken als Frauen. Geht einem solchen Partyabend ein Beziehungsstreit voraus oder befindet man sich als Paar ohnehin seit Längerem in einer Beziehungskrise, passiert so etwas manchmal. Dies ist zwar nur ein schwacher Trost, allerdings ist diese Form des Seitensprungs weit weniger böswillig.

Was kommt nach dem Verzeihen?

Wer in Erwägung zieht, einen Seitensprung nicht gleich mit einer Trennung oder Scheidung zu erwidern, sollte zunächst versuchen, die Situation weiterzudenken. Zwar wird der Schmerz abklingen, das Gefühl hintergangen worden zu sein wird schwächer und auch der Gedanke an den Seitensprung wird sich mit der Zeit seltener aufdrängen. Ein gänzliches Vergessen ist wahrscheinlich nicht möglich, aber ein "damit leben können" in jedem Fall. Aber: Ist man in der Lage, dem Partner/der Partnerin aufrichtig zu verzeihen oder wird der Fehler der Vergangenheit die Strafe und Drohung der Zukunft?

  • Wird man die Eifersucht in den Griff bekommen, wenn der Andere wieder alleine ausgeht?
  • Wird man in der Lage sein, ihm zukünftig nicht die Schuld für alle folgenden Probleme zu geben?
  • Wird man sich zurücknehmen können und dem Partner/der Partnerin nicht ständig vorhalten, wie großzügig das eigene Verzeihen war?
  • Wird man willens sein, zukünftig nicht nur die eigenen Bedürfnisse geltend zu machen und auch dem Anderen seine Wünsche verwirklichen lassen?
     
Wiedervereintes Paar Vergeben ist schwer...  –   © istockphoto.com

All das gilt es zu vergegenwärtigen: Nicht nur eine Wiedergutmachung ist harte Arbeit, auch aufrichtiges Verzeihen und das Zulassen eines Neuanfangs können für die betrogene Partei kräftezehrend sein. Die Inanspruchnahme einer Paartherapie oder Eheberatung kann hierbei hilfreich sein.

Wie gibt sich der Partner/die Partnerin?

Es ist menschlich, Fehler zu machen. Diese Fehlbarkeit einzugestehen ist nicht leicht – insbesondere dann nicht, wenn es um den wichtigsten Menschen im Leben geht. Dass dieser einem derart weh tut, ist nur schwer verkraftbar. Den Fehler selbst neutral zu betrachten ist kaum möglich, die Zeit danach hingegen kann weitestgehend wertfrei beurteilt werden:

  • Hat der Partner/die Partnerin den Mut, seinen/ihren Fehler ehrlich einzugestehen?
  • Entschuldigt er/sie sich aufrichtig und versucht nicht, die Schuld abzuschieben ("wenn du nicht ... dann hätte ich nie ..." oder "sie/er war derart aufdringlich - ich konnte nicht anders")
  • Gibt er/sie die nötige Zeit zum Nachdenken und zeigt trotzdem Initiative, die signalisiert "Ich will dich nicht verlieren!"

 

Die Entscheidung darüber, einen Seitensprung zu verzeihen oder die Beziehung zu beenden ist nicht leicht. Daher muss jeder Betroffene für sich selbst entscheiden, wie tiefgreifend die Folgen des Fremdgehens sind. Überstürztes Handeln im Affekt sollte jedoch tunlichst vermieden werden – trotz seines/ihres Fehlers ist man es dem Partner/der Partnerin und vor allem sich selbst und der Beziehung schuldig, sich umfassend damit auseinanderzusetzen, ob man zum Verzeihen fähig ist.

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