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Besondere Situationen

Minderwertigkeitskomplexe überwinden

Kennst du die Situation? Du und ein guter Freund/eine gute Freundin seid in einer Bar, wobei dir ein paar Tische weiter eine Person auffällt, die dich interessiert. Daraufhin ermutigt dich deine Begleitung, doch hinüberzugehen und ein Gespräch zu beginnen. Du würdest ihn/sie tatsächlich gerne kennenlernen, aber du hast Zweifel. Du denkst, dass er/sie ohnehin kein Interesse hätte; Du bist überzeugt, dass du nur stören würdest, wenn du ihn/sie ansprichst; Du glaubst, nicht die richtigen Worte finden zu können ... Deswegen erklärst du deiner Begleitung, dass du kein Interesse hast.

Frau in Bar Kein Mut zum Flirten?  –   © shutterstock

Fehlt dir häufig der Mut, jemanden anzusprechen? Glaubst du, dass sich ohnehin niemand für dich interessieren würde und du eh keine Chance hast, bei der Partnersuche erfolgreich zu sein? Wenn auch du dich des Öfteren solchen Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsgefühlen ausgeliefert siehst, soll dir der folgende Text hoffentlich dabei helfen, deine Empfindungen zu verstehen und Möglichkeiten aufzeigen, dich von deiner Schüchternheit bzw. deiner Gehemmtheit zu befreien.

Noch schüchtern oder schon gehemmt?

Ruhig, zurückhaltend und eher schüchtern zu sein, sind Eigenschaften, die viele Menschen innehaben. Gegen diese Facetten der Persönlichkeit ist absolut nichts einzuwenden, solange sie sich in einem Rahmen halten, der die Handlungsfähigkeit nicht einschränkt oder den Umgang mit anderen Menschen behindert.Du hast selbst ein gutes Gespür dafür haben, ob sich deine Tendenz zur Zurückhaltung in einem Rahmen bewegt, der dich zwar manchmal zögern lässt, aber letztlich nicht daran hindert, mit anderen in Kontakt zu treten, oder ob du völlig von deiner Annahme der eigenen Minderwertigkeit gehemmt wirst. Ist dem so, verspürst du bestimmt den Wunsch, etwas daran zu ändern, um vollends am Leben teilzuhaben und soziale Kontakte aufzubauen.

Woraus speisen sich Minderwertigkeitsgefühle?

Woher Selbstzweifel kommen, kann nicht allgemeingültig beantwortet werden. Jeder, der an sich selbst zweifelt oder sich selbst für weniger wert erachtet, hat dafür unterschiedliche Gründe: Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens verschiedene Erfahrungen, die nach und nach zu einer Meinung über die eigene Person verschmelzen. So wie andere sich ein Bild über dich machen, hast auch du selbst ein Bild davon, wer du bist, was du kannst und worin deine Schwächen liegen.

Dieses Selbstbild kann nun eher positiv oder negativ ausgeprägt sein, je nachdem, ob du in der Vergangenheit eher gute oder schlechte Erfahrungen in verschiedenen Lebensbereichen gesammelt hast und worin du die Gründe für den Erfolg oder Misserfolg siehst. So können einem gering ausgeprägten Selbstwertgefühl beispielsweise gescheiterte Beziehungen, nicht befriedigende Freundschaften und ähnliche Schwierigkeiten im sozialen Bereich vorausgehen, wobei die Probleme nicht in den Fehlern der anderen gesucht werden, sondern man überwiegend sich selbst dafür verantwortlich macht.

Der Teufelskreis der Unsicherheit

Wer einmal zu dem Schluss gekommen ist, nicht gut genug oder der Liebe nicht wert zu sein, passt sein Handeln und seine Sicht auf die Welt unbewusst an dieses Selbstbild an. So kommen solche Situationen, wie die oben geschilderte, zustande.

Wer überzeugt ist, nicht interessant zu sein, nicht die richtigen Worte zu finden oder nicht attraktiv genug zu sein, der scheut die Konfrontation und weicht aus. Somit bleiben die Selbstzweifel im Raum stehen (wohlbemerkt: ohne sich je tatsächlich zu bestätigen!), was das Selbstwertgefühl immer weiter sinken lässt. Sollte es dann durch Zufall doch einmal zu einem Gespräch oder Flirtversuchen kommen, übermannen einen die Minderwertigkeitsgefühle, die sich so lange aufbauen konnten, und hemmen derart, dass es tatsächlich zum Scheitern kommt.

Ist es dir auch schon einmal so ergangen? Und viel wichtiger: Siehst du ein, dass dein Verhalten und deine Wirkung auf andere nicht zwangsläufig den Tatsachen entsprechen müssen, sondern dass viel von deiner eigenen Einstellung und Sichtweise abhängt?

Du hast es selbst in der Hand

Bist du also gewillt und bereit, etwas fü dein Selbstbewusstsein zu tun? Möchtest du dir nicht länger selbst im Wege stehen, wenn es darum geht, jemanden kennenzulernen, sondern endlich einen Partner/eine Partnerin finden? Dann dürfte es dich positiv stimmen zu hören, dass du es in der Hand hast. Natürlich erfordert es Überwindung, sich trotz etwaiger Zweifel wieder zu trauen, mit anderen in Kontakt zu treten und auf Menschen zuzugehen, die dir gefallen. Aber: Du kannst es schaffen! Im Folgenden einige konkrete Tipps, die dir die Wiederaufnahme der Partnersuche erleichtern.

  • Die Psychologie der Minderwertigkeitsgefühle verstehen

Wenn du dich außerstande siehst, selbst aus dem Teufelskreis von Unsicherheit herauszutreten, gibt es Stellen, an die du dich für professionelle Unterstützung wenden kannst. Je nachdem, wie tiefgreifend du dein Problem empfindest, kannst du Hilfe in Selbsthilfegruppen, entsprechenden Kursen der Volkshochschule, Beratungsstellen oder im Rahmen einer Psychotherapie finden. Auf diese Weise erhältst du die Möglichkeit, mehr über deine Gefühle zu erfahren und kannst an einem individuellen Konzept arbeiten, deinen Komplex zu überwinden.

  • Selbstakzeptanz - Imperfektion anerkennen

Niemand ist perfekt; Fehler und Unzulänglichkeiten gehören zum Menschsein dazu. Diese anzuerkennen und als zu sich gehörig zu akzeptieren, kann dabei helfen, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Denn nur, wer sich selbst schätzt und sich als vollwertig wahrnimmt, kann diese Einsicht auf andere ausstrahlen. Wer also akzeptiert, dass er nicht fehlerlos, deswegen aber nicht im Mindestens weniger liebenswert ist, hat schon viel gewonnen. Vor allem in der Liebe sind es die kleinen Makel, derentwegen der Partner/die Partnerin einen liebt; kleinere Eigenheiten, die unsere Individualität ausmachen. Auf diese Weise kannst du diejenigen Dinge, die dich bisher daran hinderten, mit anderen in Kontakt zu treten, ins Positive kehren. Also akzeptiere dich so, wie du bist.

  • Selbstliebe - Wie ich mir, so du mir

Der Selbstakzeptanz folgt der Schritt der Selbstliebe. Heißt also, sich nicht nur so zu akzeptieren, sondern vor allem so zu lieben, wie man ist. Warum solltest du es auch nicht? Du bist liebenswert, egal, was du zu glauben meinst oder was Menschen aus deiner Vergangenheit dich glauben ließen. Trau dich, dich anderen gegenüber zu öffnen und zuzulassen, geliebt zu werden. Trag nach außen, dass du nicht fehlerfrei bist, dies aber anerkennst, akzeptierst und dich trotzdem magst. Diese positive Einstellung wird wettmachen, falls sich die alte Unsicherheit mal wieder in deine Gedanken schleicht. Denn wenn du dich selbst schätzst, wirst du dir zugestehen, mal nervös zu sein, angesichts der Tatsache, neue Menschen kennenzulernen. Wer wäre das nicht?

  • Negative Gedanken entkräften
Glückliche Frau Befrei dich von negativen Gedanken  –   © istock

Hinterfrag die Gedanken, die dich zu dem Schluss kommen lassen, du wärst minderwertig. Prüfe sie kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt. Sicherlich wirst du die meistenverwerfen und durch positive Argumente ersetzen können. Denn Minderwertigkeitsgedanken verursachen, wie eben schon angemerkt, einen Teufelskreis, der dazu führt, dass du dich mental festfährst. Du denkst: "Ich finde eh nicht die richtigen Worte", weshalb du einem Gespräch vorsorglich aus dem Weg gehen. Damit hat es sich für dich erledigt, du denkst nicht einmal weiter, was passieren könnte. Gesetzt dem Fall, du würdest tatsächlich nicht die richtigen Worte finden, was würde denn passieren?

Nun, schlimmstenfalls erntest du eine Abfuhr, wenn du tatsächlich in ein verbales Fettnäpfchen getreten sein solltest. Viel wahrscheinlicher ist doch, dass dein Gegenüber eine Gegenfrage stellt, schmunzelt,dich verbessert oder kurz schweigt. Wie dem auch sei: Du erhälst in jedem Fall die Möglichkeit, dich zu verbessern. Außerdem gehören zu einem Gespräch immer zwei: Wenn du einmal ins Stocken kommst, nichts zu sagen weißt oder aufgrund von Nervosität etwas zu viel redest, wird der andere schon entsprechend darauf reagieren. Gleiches gilt für Gedanken wie "Er/Sie wird sich eh nicht für mich interessieren", "Ich bin langweilig", "Ich bin nicht attraktiv genug", "Er/sie fühlt sich durch meinen Kontaktversuch gestört" usw. Woher willst du das wissen?!

  • Versuch es einfach!

Zugegebenermaßen, dieser Ratschlag ist einfacher gesagt als getan. Dennoch solltest du deinen Selbstzweifeln nicht die Macht über dich zugestehen, wegen ihnen handlungsunfähig zu werden. Wenn du im Vorfeld schon einmal kritisch prüfst, welcher Wahrheitsgehalt hinter deinen Annahmen steckt und was schlimmstenfalls passieren kann, solltest du für dich zu dem Schluss kommen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass du dich irrst. Deswegen trau dich so oft wie möglich, entgegen deiner ersten Impulse zu handeln und sprich Menschen an bzw. geh auf Kommunikationsgesuche ein. Du hast wirklich nichts zu verlieren. Das wirst du selbst merken, wenn du dich erst einmal darauf einlässt und mit Menschen sprichst, dich für Dates verabredest usw. Natürlich bist du nicht gefeit davor, dass auch mal ein Gespräch nicht so gut läuft oder ein Treffen gar nicht schnell genug vorbei sein kann. Aber selbst daraus wirst du Positives ziehen können: Es ist kein Weltuntergang, wenn es nicht klappt. Manchmal harmonieren Menschen einfach nicht; so schlecht es mit einer Person läuft, so gut läuft es mit einer anderen. Deswegen: Trau dich. Denn, wie heißt es, "Übung macht den Meister".

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