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Besondere Situationen

Partner – ja! Bindungsangst – nein!

Wer nach seinem Glück sucht, der findet es auch. Aber ob dieses Glück an Bindungsangst leidet? Wie man mit Bindungsangsthasen umgeht, erfährst du hier. Was passiert, wenn einer der Liebenden an Bindungsangst leidet?

Partner – ja! Bindungsangst – nein! © Fotolia

 

"Wir waren immer der gleichen Meinung. Ich dachte schon, dass ich nie so einen Menschen kennenlernen würde", so Ricardo (39). Er und Anna (40) haben sich gesucht und im Internet gefunden. Keiner wollte am Anfang die Beziehung belasten, also ließen sie sich Zeit. Es verging ein Monat, dann zwei, drei, … "Dann habe ich dieses heikle Thema angesprochen. Ich wollte, dass Anna bei mir einzieht und plante schon unsere gemeinsame Zukunft." Doch dann überwältigte Anna die Angst. Themen wie Umzug, Pläne, Zukunft versuchte sie meist mit Humor zu umgehen. "Schließlich leben wir in der Gegenwart und die Zukunft ist noch so weit weg", antwortete sie ihm beim letzten Gespräch.

Lieber allein statt gebunden

Wörter wie "gemeinsame Zukunft", "Pläne", oder "seriöse Beziehung" können bei einigen Menschen dazu führen, dass sie Gänsehaut bekommen. Diese Personen verbinden meist eine etwas ernsthafter werdende Beziehung gleich mit dem Verlust ihrer Eigenständigkeit. Formeln wie "wir" werden als bedrohlich und angsteinflößend empfunden. In solchen Fällen ist es vollkommen normal, dass man eine Abwehrreaktion entwickelt und um jeden Preis versucht, sogar die erwünschte Zweisamkeit zu vermeiden. Hätte Ricardo gewusst, dass Anna ein Beziehungsangsthase ist, hätte er von Anfang an ihre Reaktion nachvollziehen können. Gibt es überhaupt Zeichen für derartige Ängste? Ja, aber sie sind "weniger offensichtlich", weiß Parship-Psychologin Nicole Schiller. Fernbeziehungen eignen sich beispielsweise ausgezeichnet als Deckmantel, da so der Partner/die Partnerin leichter auf Abstand gehalten werden kann. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass jede Fernbeziehung auf Bindungsangst hindeutet. Die Alarmglocken sollten bei dir jedoch schon läuten, wenn du merkst, dass dein neuer Partner/deine neue Partnerin nicht an echter Nähe interessiert ist und sich seine/ihre Gespräche bei den seltenen Treffen zum Beispiel nur um gescheiterte Beziehungen drehen. Sei zurückhaltender, was Zukunftspläne angeht, schließlich machst du auf diese Weise nicht nur Personen Angst, die Bindungsvorbehalte haben, sondern so ziemlich jedem.

Was will ich wirklich?

Das, worauf es ankommt, ist ein für beide angemessenes Tempo. Um zueinander zu finden und vor allem ängstliche Personen nicht zu überfordern, sollte zudem ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Nähe und Distanz erstrebt werden. Hab Geduld, denn nur auf diesem Boden kann eine fruchtbare Beziehung wachsen und das dafür notwendige Vertrauen entstehen. Achte jedoch darauf, dass du nicht auf dieser unverbindlichen Ebene steckenbleibst, sondern euch gemeinsam weiterentwickelt. Steht dein Partner/deine Partnerin da im Weg, kann das viele Ursachen haben: Angst enttäuscht zu werden, unrealistische Idealvorstellungen oder eben das Gefühl, seine/ihre Freiheit aufgeben zu müssen. In jedem Fall ist es nötig, auf die eventuellen Bedenken des anderen einzugehen, das offene Gespräch und damit auch eine gemeinsame Lösung zu suchen. Vermeide es in jedem Fall, Druck auszuüben, indem du ihn oder sie schnell für dich erobern oder ändern willst, und gib deinem Gegenüber das Gefühl, sich frei entscheiden zu können. Nichtsdestotrotz sollte es jedoch ansatzweise eine gemeinsame Perspektive geben, an der sich beide orientieren können. Was Psychologen darüber hinaus zu bedenken geben, ist, dass die Bindungsängste des anderen oft unsere eigenen Vorbehalte reflektieren. Gewinne also zunächst selbst Sicherheit darüber, was du wirklich willst. So bist du deinem Herzblatt auch eine wesentlich bessere Stütze.

Unabhängigkeit über alles?

Die Basis für eine funktionierende Beziehung ist das ausgewogene Verhältnis zwischen Abhängigkeit und Autonomie. So erklärt unsere Parship-Psychologin: "Einige Menschen fühlen sich eingeengt wie in einem Käfig. Sie haben Angst, dass der neue Partner/dien neue Partnerin zu viel Platz beanspruchen könnte." Anne-Marie (36) erzählt uns ihre Beziehungsgeschichte: Sie entdeckte zufällig im Internet das Profil von Paul (42) – einem richtigen Herkules mit Humor und scharfem Verstand. "Ich wollte nicht mehr Johnny Depp, sondern Paul – und ich mag Johnny Depp", verriet sie mit einem Lächeln. So lange die beiden nur im Internet Kontakt hatten, verlief die Beziehung traumhaft. Mit der immer kürzer werdenden Distanz entfernte sich Paul aber immer mehr von Anne-Marie. "Paul wollte mehr Freiraum und den gab ich ihm auch. Als wir dann schon eine ganze Weile zusammen waren und ich sogar seine Familie kennenlernte, dachte ich schon, wir wären auf der nächsten Stufe. Doch dann verriet ihn seine kleine Schwester und ich musste feststellen, dass er neben mir noch eine Menge Flirtkontakte hatte." Viele Menschen verschanzen sich in ihrem Unabhängigkeitsstreben und verschließen sich durch ihre Bindungsangst schon im Vornherein. Es gehört selbstverständlich dazu, jedem auch seinen Freiraum zu lassen, jedoch solltest du auch stets deine eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren. Nur wenn beides gewährleistet ist, kann aus dem Online-Flirt eine stabile Bindung werden.

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