> Ratgeber > Vom Date zur Beziehung > Liebe auf den zweiten Blick

Vom Date zur Beziehung

Liebe auf den zweiten Blick

Die Liebe auf den ersten Blick ist in aller Munde. Sie wird als pure Romantik idealisiert, zeugt sie doch von Leidenschaft, von der unausweichlichen Kraft der Liebe und davon, füreinander bestimmt zu sein. Geschichten über das Kennenlernen, die mit eben der Betitelung "Es war Liebe auf den ersten Blick" beginnen, ernten zumeist besonders viele verträumte Seufzer und erwartungsvoll funkelnde Augen.

Paar bei einem Date Muss es immer Liebe auf den ersten Blick sein?  –   © istock

Es ist natürlich möglich, dass sich zwei Menschen sehen und sofort eine gewisse Anziehungskraft spüren. Allerdings, und das steht außer Frage, ist diese weniger den inneren Werten des anderen geschuldet, als vielmehr seiner Optik oder Ausstrahlung. Dass diese anfängliche Attraktion retrospektiv als Liebe interpretiert wird, liegt wohl in der Natur der Sache. In den meisten Fällen ist es doch aber eher eine Liebe auf den zweiten, vielleicht auch dritten oder vierten Blick. So unromantisch es sich anhören mag, so sinnvoll ist es für die Partnerschaft. Warum? - Das versucht der folgende Beitrag zu klären.

Der erste Eindruck

Wenn zwei Menschen das erste Mal aufeinandertreffen, bilden sich beide unmittelbar eine Meinung über den anderen. Das vollzieht sich unbewusst und läuft sehr intuitiv; dabei werden Kleinigkeiten wahrgenommen, mit Erwartungen abgeglichen und in schon bestehende Einstellungen, Meinungen oder Vorstellungsbilder eingefügt. So macht es freilich einen Unterschied, ob man einen Menschen im Rahmen der Ausübung seines Berufs kennenlernt oder privat (z. B. einen Polizisten, Richter, Arzt); ob man eine Person in entspannter Atmosphäre kennenlernt oder in einem hektischen Umfeld (z. B. an einer Strandbar im Urlaub oder nach Feierabend in der U-Bahn); ob man mit der Erwartung herangeht, ein tolles Date zu haben oder sich nur einem Freund zuliebe mit der Person trifft.

Diese Aspekte stellen selbstverständlich nur einen Ausschnitt dar, denkbar sind zahlreiche andere Facetten des Aufeinandertreffens, die je unterschiedlich zusammenlaufen und so den ersten Eindruck maßgeblich beeinflussen können. Allerdings, und das sollte nachvollziehbar sein, ist es nicht die Persönlichkeit des Menschen und all seine guten oder schlechten Eigenschaften, die zu dieser ersten Meinungsbildung führen, sondern allenfalls die eigene Vorstellung davon. Freilich kann man im Laufe eines ausführlichen Gesprächs, das unmittelbar an das erste Aufeinandertreffen anschließt, vieles über den anderen in Erfahrung bringen - mit dem ersten Eindruck hat das aber schon nichts mehr zu tun.

Liebe wächst mit der Zeit

Der erste Eindruck von einer anderen Person kann im Verlauf des Kennenlernens bestätigt oder widerlegt werden - manchmal hin zum Positiven, manchmal zum Negativen. Im Falle der so oft propagierten Liebe auf den ersten Blick hatten beide von Beginn an ein gutes Gefühl und haben den jeweils anderen dahin gehend richtig eingeschätzt, dass von Anfang an die Überzeugung da war "Ja, das passt". Was anfänglich vielleicht aufgrund des netten Lächelns, der guten Figur, des freundlichen Türaufhaltens usw. entstand, bewahrheitet sich in zahlreichen Gesprächen und bei vielen Treffen, während man Gemeinsamkeiten feststellt, Abneigungen teilt und sich beim anderen gut aufgehoben fühlt, weil die Chemie schlichtweg stimmt.

Sich der Liebe zu analytisch zu nähern, ist vielleicht nicht das Romantischste auf der Welt, aber an dieser Stelle würde es wohl dazu führen, das Konzept der Liebe auf den ersten Blick infrage zu stellen. Denn ist nicht auch diese in Wahrheit eine Liebe der vielen Blicke? Immerhin ist Liebe etwas, das sich entwickelt, wächst und stärker wird, je mehr man sich zum anderen zugehörig fühlt. Zwar mag die Einteilung künstlich sein und die Übergänge fließend, aber ist da nicht ein feiner Unterschied zwischen sympathisch oder anziehend finden, sehr gerne haben, in jemanden verliebt sein und jemanden lieben? Darüber ließe sich streiten, darum soll es aber nicht gehen - Liebe ist etwas Wunderbares, egal wie sie sich wann entwickelt hat. Das Gefühl auf den ersten Blick soll nicht entkräftet, sondern vielmehr die Wertschätzung für dasjenige bestärkt werden, das aus Irrtümern und falschen Eindrücken erwachsen ist, oder eben erst auf den zigfachen Blick entstand.

Mehr Blicke - mehr Chancen

Wer sich vom Ideal der vermeintlichen Liebe auf den ersten Blick verabschiedet und auch Platz für alternative Liebesgeschichten lässt, erweitert sein Möglichkeitsfeld und damit den Handlungsspielraum. Wer sich eingesteht, dass es nicht immer sofort perfekt sein muss, lässt sich selbst und dem Gegenüber mehr Zeit. Nur, weil beim ersten Treffen nicht gleich die Funken sprühen, heißt das nicht, dass nicht mehr daraus werden kann. Wer die Möglichkeit in Betracht zieht, dass Liebe langsam entsteht, der plagt sich nicht mit Zweifeln, wenn ein langjähriger Freund plötzlich eine wichtigere Rolle im Leben zu spielen scheint. Der lässt zu, dass andere, die man eigentlich aus den Augen verloren hatte, wieder in das eigene Leben treten, weil zweite Chancen oft gerechtfertigt sind.

Wer der Existenz einer möglichen Liebe auf Umwegen offen gegenübersteht, setzt sich auch eher mit der einen Person auseinander, die eigentlich allem entspricht, was man nicht gut findet, aber trotzdem eine nicht zu leugnende Anziehungskraft auf einen ausübt. Die Liebe auf den zweiten Blick nicht infrage zu stellen, sondern als gleichwertig anzuerkennen, macht sensibler, da auf das große Ganze mehr geachtet wird, als auf das erste Bauchkribbeln. Zweifelsohne gehören auch die Schmetterlinge im Bauch und eine gewisse Leidenschaft zur Liebe dazu, allerdings ist es doch nicht schlimm, wenn es dafür etwas Anlaufzeit benötigt. Denn langfristig gesehen ist es nicht das, was eine Partnerschaft stabil macht.

Der Liebe fürs Leben Zeit geben

Glückliches Paar Gemeinsamkeiten sorgen für lange Beziehungen  –   © istock

Auf Dauer sind es die Gemeinsamkeiten, die für das längerfristige Bestehen einer Beziehung sorgen. Ähnliche Interessen, gemeinsame Pläne und Wünsche, geteilte Hoffnungen, die gleiche Einstellung. All das sorgt für eine lange und belastbare Bindung zu einem Partner. Natürlich kommt es auf eine ausgewogene Mischung an; jeder ist einzigartig, weshalb keine vollständige Übereinstimmung angestrebt werden kann oder sollte. Aber in den wichtigen Dingen sollte Einigkeit bestehen. Und ob diese besteht, offenbart kein erster Blick. Dieser kann allenfalls ein gutes Gefühl hinterlassen, das aus der eigenen Hoffnung oder Erwartung gespeist wird, dass der andere der Mensch ist, der zu einem passt. Natürlich kann sich diese Intuition bewahrheiten und alles ist wunderbar. Aber der erste Eindruck kann auch irreführen, und zwar dahin gehend, dass man eine Person - vielleicht weil sie einen schlechten Tag hat oder der Zeitpunkt ungünstig ist - vorschnell abschreibt, obwohl sie eigentlich perfekt für einen selbst wäre. Und dieses Risiko nur aufgrund von Scheuklappen einzugehen, die durch die Illusion des perfekten ersten Moments hervorgerufen werden, wäre ein Fehler.

Jede Liebesgeschichte ist erzählenswert!

Letztendlich ist es doch egal, wie es zu der Liebe kam, die einen mit dem Partner verbindet. Wichtig ist nur, dass man zusammen ist, die Liebe auf Gegenseitigkeit beruht und beide glücklich in der Beziehung sind. Ob dieser schönen Momentaufnahme ein romantisches Rendezvous, ein zufälliges Treffen am Strand bei Sonnenuntergang, eine jahrelange Freundschaft, monatelange Sticheleien, geteilte Ärgernisse am Arbeitsplatz, Telefonate oder E-Mail-Verkehr vorausgehen ist doch wirklich einerlei. Die Geschichte des Zueinanderfindens muss keine Drehbuchvorlage für Romantikfilme sein. Sie muss auch nicht die Kollegen und Freunde unterhalten und rührselig werden lassen.

Die Geschichte hat ihren Zweck nämlich schon längst erfüllt; sie hat zwei Liebende zueinander geführt und ihnen gemeinsames Glück beschert. Ob dafür nun lediglich ein Blick oder viele notwendig waren, spielt dann doch wirklich keine Rolle mehr.

Mehr zum Thema

Ratgeber

Stolpersteine für die Liebe

Auch auf Wolke 7 kann sich mitunter der ein oder andere …

mehr
Ratgeber

Wie Sie mit einer Absage umgehen können

Dass jemand nur einen einzigen Anlauf braucht ... und s …

mehr
Ratgeber

Überraschende Bekanntschaften

Kennen Sie alle Heurige im Burgenland? Waren Sie schon …

mehr

Testen Sie Parship kostenlos.

Ich bin
Ich suche

Wenn Sie auf "Partnersuche starten" klicken, akzeptieren Sie unsere AGB und erklären unsere Datenschutzbestimmungen gelesen zu haben.

Forum
Sie liebt mich nicht

Sie liebt mich nicht: Die Anzeichen richtig deuten

Die kleinen Gesten sind es, die vom Ende einer großen Liebe zeugen. 
Mehr erfahren

Error with static Resources (Error: 418)