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Besondere Situationen

Midlife-Crisis bei Frauen: Entwicklungskrise in der Mitte des Lebens

In der Lebensmitte stellt sich für viele Menschen die Frage, ob das Leben so weitergehen kann und soll wie bisher. Lange wurde die Midlife-Crisis vor allem bei Männern beobachtet – dabei betrifft die Sinnkrise durchaus auch Frauen. Teilweise wird sie auch mit den Wechseljahren vermengt, dabei unterscheidet sich die Midlife-Crisis bei Frauen deutlich von den typischen Symptomen der Menopause.

Midlife-Crisis bei Frauen: Entwicklungskrise in der Mitte des Lebens © iStock

Die Wechseljahre setzen bei Frauen im Schnitt zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr ein. Üblicherweise begleitet von teils sehr unangenehmen körperlichen Symptomen wie Hitzewallungen, Übelkeit, Müdigkeit und Gewichtsschwankungen. Die Midlife-Crisis dagegen beginnt teils deutlich früher, ähnlich wie bei Männern bereits mit Mitte 30. Gelegentlich wird sie erst durch die hormonellen und körperlichen Umwälzungen der Wechseljahre ausgelöst. Sie ist vor allem eine Krise der Psyche, die sich mit der Rolle im Leben und dem eigenen Selbstverständnis beschäftigt.

Ursache für die Sinnkrise: Leben im Wandel

Mit Mitte bis Ende 30 sind viele Frauen beruflich gefestigt. Die fordernde Zeit der ersten Karriere mit kleinen Kindern ist vorbei – und so ergibt sich die Gelegenheit, sich wieder auf sich selbst zu besinnen.

Allerdings führt diese Rückbesinnung erst recht in die Krise. Denn gerade Frauen erfüllen schon früh viele unterschiedliche Rollen: die der Geliebten, der Ehefrau, der Mutter, der Karrierefrau. Wenn Teile davon wegbrechen, müssen die Leerstellen neu gefüllt werden.

Deshalb trifft die Midlife-Crisis in erster Linie Frauen, die eigentlich im Grunde fest im Leben stehen: ein guter Beruf, größer werdende Kinder, eine langjährige Partnerschaft. Ziehen die Kinder aus und ist das Ende der Karriereleiter vorläufig erreicht? Dann ist die bisherige Selbsteinschätzung in Gefahr. Gerät der Partner in die eigene Sinneskrise und besteht plötzlich auf Sportwagen und Diskonächte? Dann scheint auch die bisherige Beziehung nicht sonderlich verlässlich. Was bleibt dann also?

Dann stellt sich die Frage nach dem Sinn:

  • „Wer bin ich – abseits von meinen Rollen als Ehefrau, Mutter oder Angestellte?“
  • „Soll mein Leben so bleiben, wie es jetzt ist?“
  • „War das alles?“
  • „Habe ich schon erreicht, was ich mir als junge Frau vorgenommen habe?“
  • „Will ich wirklich so weiterleben?“
  • „Bin ich glücklich mit dem, was ich erreicht habe?“

Nicht immer fallen die Antworten auf diese Sinnfragen besonders erfüllend aus. Teilweise sind sie eher frustrierend, weil die einst gesteckten Lebensziele scheinbar unerreichbar bleiben.

Denn: Mit Anfang 20 ist für die meisten Frauen das weitere Leben sehr klar – bestehend aus erfüllendem Job, glücklicher Partnerschaft und Kindern. Ein wesentlich kleinerer Anteil wünscht sich generell keine Kinder oder baut ausschließlich auf die Karriere. Mit Mitte 30 und bis in die 50er hinein sind diese Ziele in aller Regel erreicht. Was bleibt, ist die Frage: „Und was kommt jetzt noch?“

Die klassischen Symptome einer Midlife-Crisis bei Frauen drücken diese Zerrissenheit zwischen eigenem Anspruch und Lebenswirklichkeit aus:

  • generelle Unzufriedenheit mit dem Leben und der Rolle darin
  • daraus entstehende Verhaltensänderungen und teils leichtere Reizbarkeit
  • akuter Wunsch nach Veränderung
  • depressive Verstimmungen bis hin zur behandlungsbedürftigen Depression

Im Rahmen einer akuten Entwicklungs- und Sinnkrise werden bisherige Jobs gekündigt, die Beziehung bröckelt, Freundschaften zerbrechen oder leben nach vielen Jahren des dahin dümpelns erst so richtig auf.

Manche Frauen leben in der Midlife-Crisis ihre neu entdeckte, kreative Ader aus: Ob Yoga, Töpferkurs oder Aquarellmalerei – Ziel ist es, sich mit sich selbst zu beschäftigen und zu verstehen, was den Kern der eigenen Person ausmacht.

Für die Frau in der Krise: Sich selbst neu entdecken

Manchmal braucht es den Anstupser von außen, damit Frauen sich selbst in der Midlife-Crisis erkennen. Dann fragt der Liebste vielleicht nach, woher die plötzliche Unzufriedenheit komme. Oder die beste Freundin beschwert sich, weil plötzlich gar nichts mehr recht zu sein scheint.
Der erste Schritt zur Meisterung der Krise ist tatsächlich die Erkenntnis, dass Frau sich bereits mittendrin befindet in der Entwicklungskrise.

Irene Fellner hat das Wiener Zentrum für Frauen in der Lebensmitte gegründet und prägt den Begriff der „Entwicklungskrise“ im Gegensatz zur Midlife-Crisis. Denn eigentlich sei es weniger das Problem des Älterwerdens und der eigenen Sterblichkeit, sondern mehr das einer veränderten Rollenerwartung.

Die prägende Rolle der Mutter falle weg, sobald die Kinder flügge werden – und dann muss die entstehende Leere gefüllt werden. Wer keine Kinder hat, landet spätestens mit Einsetzen der Wechseljahre an ebendieser Stelle, nämlich der Entwicklungskrise. Der bisherige Lebensentwurf steht auf dem Prüfstand.

Midlife-Crisis bei Frauen: Entwicklungskrise in der Mitte des Lebens © iStock

Eine erste Bestandsaufnahme kann helfen, sich auf diese Veränderung einzulassen:

  • Was macht mich glücklich?
  • Was macht mich unglücklich?
  • Was gefällt mir an mir selbst besonders gut – und woran leide ich?
  • Was gefällt mir an meiner Beziehung, an meinen Freundschaften – und was lässt mich leer, unglücklich und unzufrieden sein?
  • Will ich so weitermachen – und wenn nein, was will ich eigentlich wirklich?
  • Wo sehe ich mich selbst in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren – und stimmt mich das froh?

Nach der Bestandsaufnahme kann sich eine Betrachtung anschließen, was sich mit wenig Aufwand oder Zerwürfnis ändern ließe:

  • Was kann ich in meinem Alltag ändern, um mich glücklicher und zufriedener zu fühlen?
  • Welche Schritte sollte ich angehen, um mein Leben für mich sinnverfüllter zu gestalten? 

Schritt-für-Schritt entsteht so eine neue Lebensplanung, eine neue Zielrichtung, die direkt aus der Entwicklungskrise führen kann. Eine intensive und ehrliche Kommunikation mit dem Herzensmenschen ist dabei unverzichtbar.

Vielleicht kann er oder sie sich nur schwer auf andere Hobbies, Gewohnheiten oder ganz und gar neue Freiheiten einlassen. Vielleicht braucht die Beziehung einen Pausenknopf, um die Gedanken und Wünsche neu zu sortieren.

Affären und Trennungen sind vor allem in der Lebensmitte häufig, und genauso häufig werden sie nach Abklingen der Krise bereut. Alles hinzuschmeißen und komplett neu zu beginnen kann auf den ersten Blick sehr reizvoll wirken – die Auswirkungen sind allerdings enorm.

Für den Partner: Midlife-Crisis der Frau begegnen

Die Krise in der Lebensmitte kündigt sich eigentlich mit reichlich Vorlauf an, kommt aber dann doch überraschend für alle Beteiligten.

Gerade war doch noch alles gut – jetzt will die Liebste plötzlich den Job hinwerfen, ein Yoga-Retreat mit ihrer besten Freundin besuchen und alleine in den Urlaub fahren, um zu sich selbst zu finden!

So oder so ähnlich geistert es dem einen oder anderen Ehepartner durch den Kopf. Eine Midlife-Crisis würfelt die bisherige meist klarere Rollenverteilung ordentlich durcheinander. Um die Beziehung zu unterstützen und zu erhalten, ist reichlich Kommunikation nötig. Partner können sich selbst bewusst machen, dass Ängste und Zweifel den Lieblingsmenschen in die Krise gestürzt haben, ernst genommen werden sollten. Als Hilfestellung können diese oder ähnliche Fragen dienen:

  • Was möchte meine Partnerin, welche Zweifel und Ängste beschäftigen sie?
  • Was kann ich tun, um ihrem Wunsch nach Veränderung oder Sinn entgegen zu kommen?
  • Was bin ich selbst bereit an Veränderungen zu akzeptieren, um unsere Beziehung zu erhalten?
  • Welche Lebensziele können wir uns für die kommenden Jahre setzen, die uns erfüllen und beflügeln?
  • Worauf bin ich bereit zu verzichten, um meiner Partnerin mehr Raum für Freizeit, beruflichen Erfolg oder andere Herzenswünsche zu bieten?

Wichtig ist: Midlife-Crisis und Wechseljahre sind zwei sehr unterschiedliche Dinge, die aber oft unbedacht vermischt werden. Ersteres ist eine Sinn- und Entwicklungskrise, die sich mit dem Selbstbild der Liebsten beschäftigt.

Letzteres ist eine normale körperliche Entwicklung, die teils schwere körperliche Symptome mit sich bringt, die die Partnerin für längere Zeit beeinträchtigen können. Das eine mit dem anderen gleichzusetzen oder jeden Wunsch nach Veränderung auf „Hormonschübe“ abzuwälzen, lässt die Krise höchstens größer aber keinesfalls kleiner werden.

Für die verlassene Partnerin: Wenn Männer- und Frauen Midlife-Crisis aufeinandertreffen

Rund die Hälfte aller Ehen werden innerhalb der ersten 10 Jahre wieder geschieden, bei einer Ehedauer von 25 oder mehr Jahren ist die Tendenz nach langen Jahren der Kontinuität ebenfalls steigend. 2017 lag sie bei knapp 13 Prozent. Wer einst mit Anfang 20 geheiratet hat, ist mit Mitte 50 also womöglich wieder Single – und der Anlass der Scheidung lässt sich oft genug in der Krise der Lebensmitte finden. Affären und Beziehungen zu Jüngeren sind für manche Männer eine Möglichkeit, sich die vergangene Jugend zurückzuerobern. Die verlassene Ehefrau steckt dann aufgrund des Umbruchs schnell selbst in der Entwicklungskrise.

Die sich als Chance für einen Neuanfang nutzen lässt:

  • Wohnortwechsel
  • neue Wohnung und neue Einrichtung nach eigenem Geschmack
  • neue Hobbies und Freundeskreise, die sich ausschließlich nach den eigenen Interessen richten
  • berufliche Umorientierung oder Weiterentwicklung

Selbst wenn die verlassene Partnerin von sich aus nie den Sprung in die komplette Neuorientierung gewagt hätte, muss sie sich dem nun stellen. Die Scheidung stellt für die betroffenen in aller Regel den Beginn eines neuen Lebensgefühls da. Damit ergeben sich auch Chancen: Auf eine neue Partnerschaft, auf neue Lebensziele und eine erfüllte zweite Lebenshälfte.

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